René Wirths – States

27 March – 15 May

For his first solo exhibition at René Wirths has created 10 monumental still lifes, which break every known dimension. The spectator is faced by a paper made folded ship, a cord coil, a sailing feather, an old sneaker, a used football, a blinking eye, a straddled hand, a piece of wood showing annuals rings, a plank, and a scull. While looking at the pieces, the objects immediately begin to form complex references, weaving the motives, which are apparently put together as a loose arrangement, into a dense narrative tissue. Thereby the impression evolves that the artist portraits himself and his doing, as paper often is the first medium of creative ideas and is traditionally used for drawings. Also, the feather is a tool of a draftsman. The feather holding hand is the elongated eye of the artist. And the eye is his corrective organ. And isn’t the eye of a human the window into his soul? Why is the eye than closed? On the other hand the objects stands for themselves as their own colossal monuments. It seems that Wirths has the desire to recapture these objects into the world again. Therefore, also the creative process comes into focus, since the meticulous painting of Wirths takes time. The longer one contemplates the paintings the more they loose their representational and narrative character. Both the scale and the isolation of the motives cause them to change their specific states. They transform themselves into abstract elements of composition, which are pure form without any function. Suddenly it becomes clear: It is not primarily the representational objects that are the main issue but the act of painting - painting as a scope for imagination. At the same time the perception tilts again when the motives come into focus as objects that expanse into space. Also, the dimensions of the objects define the dimension of the surrounding anew and therefore also the physical position of the spectator. Wirths paintings strongly remind to a passage of Ovid’s metamorphoses: There is nothing in the world that keeps its form. Everything is in a constant state of flux. Wirths captures these states within his mementi mori, especially with his painting of a scull. (Dr. Stefanie Lucci)

Wenn sich am 27.03.09 um 18 Uhr die Tore von Schönewald Fine Arts öffnen, verändern sich die Dimensionen. Für seine erste Einzelausstellung bei Schönewald Fine Arts hat René Wirths 10 monumentale Stillleben geschaffen, die jegliche bekannte Größenordnungen sprengen. Dem Besucher begegnet ein riesiges gefaltetes Papierschiffchen, ein Kordelrolle, eine schwebende Feder, ein alter Turnschuh, ein gebrauchter Fußball, ein zugepresstes Auge, eine gespreizte Hand, ein Holzstamm mit Jahresringen, ein längst aufgeschnittenes Holzbrett und ein Totenschädel. Unmittelbar entwickeln sich zwischen den Dingen komplexe Bezüge, die die vermeintlich lose Zusammenstellung der Motive zu einem dichten narrativen Gespinst zusammen flicht und zahlreiche Fragen aufwirft. Dabei entsteht der Eindruck, als ob der Künstler sich selbst und sein Schaffen mittels der Stillleben portraitiert. Ist doch Papier, das aus Holz hergestellt wird, oftmals der erste Träger kreativer Ideen und traditionelle Grundlage der Zeichnung, so wie Holz in vergangenen Zeiten Träger von Malerei war, bevor Leinwand auf Keilrahmen gespannt wurde. Und ist nicht auch die Feder ein Werkzeug des Zeichners, die federhaltende Hand das verlängerte Auge des Künstlers, das Auge das korrigierende Reflexions- wie auch Rezeptionsorgan? Und sind nicht die Augen die Fenster in die Seele des Menschen? Warum ist dieses Auge dann zu? Ist ein Künstler wirklich so frei wie ein Vogel? Trägt Wirths die mit Farbspritzern übersäten Turnschuhe beim Malen und beim Fußballspielen? Andererseits stehen die Dinge allein für sich, als monumentale Denkmäler ihrer selbst. Es scheint, als wolle Wirths die Dinge unserer Welt wieder-holen. So gerät auch auf anderem Wege der Schaffensprozess in den Fokus, denn die Malerei von Wirths ist akribisch, zeitintensiv. Je länger die Arbeiten betrachtet werden, desto mehr verflüchtigt sich der gegenständliche Charakter wie auch die narrativen Züge. Sowohl die Größe als auch die Isolierung der Motive lassen die Dinge ihren Zustand ändern. Sie transformieren sich in abstrakte Kompositionselemente, die nur noch für sich selber stehen, Form sind und keine Funktion mehr haben. Malinseln geraten in den Blick und es wird klar: Hier geht weniger um die Dinge als wiederum um das Malen selbst, um Malraum als Vorstellungsraum. Doch sogleich kippt auch schon wieder die Wahrnehmung, wenn die formatsprengenden Motive als raumgreifende Gegenstände wahrgenommen werden, die ebenfalls die Größe des umgebenen Raums neu definieren und somit auch die Position des Betrachters. Wirths Malereien erinnern an Zeilen aus Ovids Metamorphosen: „es gibt im ganzen Weltkreis nichts Beständiges, alles ist im Fluss und jedes Bild ist gestaltet, während es vorübergeht.“ Wirths hält diese Zustände mit seinen mementi mori, insbesondere mit seinem Totenschädel, fest.
(Dr. Stefanie Lucci)