Karl Bohrmann – Paintings, drawings and collages 1961–1998

17 January – 08 March

„Ein Bild muss ein Bild sein und gleichzeitig die Verweigerung eines Bildes sein. Ein Bild muss Lust auf die Welt machen, aber muss diese Lust nicht befriedigen (...).“ Der Rang des weithin unterschätzten Zeichners, Malers, Graphikers und Fotografen Karl Bohrmann, beginnt sich erst jetzt, 10 Jahre nach seinem Tod, allmählich abzuzeichnen und will noch entdeckt werden. Die aktuelle Ausstellung vermittelt einen Eindruck davon, wie konsequent sich die Entwicklung des Künstlers, dessen Schaffen sich über einen Zeitraum von mehr als 40 Jahren erstreckt, vollzogen hat. Während sich Anfang der 60er Jahre Parallelen vor allem zu den Werken Cy Twomblys zeigen, sind in den Folgejahren die Einflüsse der amerikanischen Farbmalerei spürbar. Auch Bezüge zu Georgio Morandi, Paul Klee, Giacometti oder Bohrmanns Lehrer Willi Baumeister können hier anhand ausgewählter Beispiele der Jahre 1961 bis 1988 nachvollzogen werden. Zugleich wird offenbar, dass derartige Vergleiche nur oberflächlich andeuten können, wie weitreichend Bohrmanns Ausdrucksvermögen gründet. Innerhalb eines relativ beschränkten, klassischen Themenfeldes: Interieur, Landschaft, Aktdarstellung, gelingt es dem Künstler, auf unkonventionelle Weise, in einer Dialektik zwischen Spontanität und Reflexion, neue Sinnzusammenhänge zu eröffnen. In fast unerschöpflicher Produktivität hat Bohrmann unzählige Variationen eines Sujets geschaffen, die im Spannungsverhältnis zwischen Gegenstandsbezeichnung und bloßer Andeutung an die Vorstellungskraft des Betrachters appellieren und außerhalb seiner Kunst ungedacht blieben. Die Ausstellung präsentiert sowohl frühe Papierarbeiten, die „Gespinste“, Aktmotive in Verbindung mit Interieurszenen, als auch eine im Jahre 1962 begonnene Werkgruppe mit animalischen Motiven. Derartige feine Zeichnungen und Collagen dienten ihm meist auch als Vorbilder der großformatigen Arbeiten auf Nessel. Bohrmanns Interesse für die Eigenheiten verschiedener Materialien entwickelte sich in den 70er Jahren, parallel zu seiner zunehmenden Beschäftigung mit der Fotografie. Herausragend zeigt sich in einigen Beispielen aus den 80er Jahren sein feines Gespür für den gezielten Einsatz der Leere und eine im Kontrast dazu gesetzte Präsenz der gleichmäßig angestrichenen Farbflächen, die im Zusammenspiel mit den das Wesentliche erfassenden Linien ihre volle Wirkung entfalten.